Was alle Christen vereint

Vor einigen Tagen war ich in München auf einer Ökumenischen Tagung. Dort hatten über 80 Studierende der Katholischen, Evangelischen und Orthodoxen Theologie die Chance miteinander ins Gespräch zu kommen. Neben den Sitzungen gab es bei den Mahlzeiten oder auch in den einzelnen Arbeitssitzungen die Chance sich miteinander zu unterhalten.

Es wurde über strittige Themen gesprochen, die alle Konfessionen bewegen. Der Zölibat, das Frauenpriestertum oder die Unterschiede in der Liturgie wurden häufig diskutiert. Neben den bekannten Grundsatzdebatten kam auch die gemeinsame Eucharistiefeier / Abendmahlsfeier zur Sprache. Nach wie vor ist eine gemeinsame Eucharistiefeier von Katholiken, Protestanten und Orthodoxen nicht möglich.

Zu der Tagung gehörte auch ein Planspiel in welchem drei fiktive Gemeinden im Jahr 2035 über die gemeinsame Nutzung eines Gotteshauses durch eine evangelische, katholische und orthodoxe Gemeinde beratschlagen mussten. Am Ende des Planspiels wurde vor allem deutlich, dass jede der drei Gemeinden versuchte ihre eigene konfessionelle Identität zu erhalten. Über eine gemeinsame Gottesdienstfeier wurde wenig bis gar nicht gesprochen.

Es hat sich gezeigt, dass es noch ein weiter Weg ist, bis Christen wieder gemeinsam Eucharistie feiern können. Bevor nicht bestimmte grundsätzliche Fragen geklärt sind, kann dies wohl auch nicht funktionieren. Das zeigt sich auch an der derzeitigen Debatte in Deutschland, ob eine gemeinsame Eucharistiefeier von gemischt konfessionellen Ehepaaren mit zumindest einem katholischen Ehepartner möglich ist.

Wer sich auf das Wagnis Ökumene einlässt, muss die oben genannten Streitpunkte behandeln und selbst dazu Stellung beziehen. Dabei ist es wichtig, den anderen und seine Position zu respektieren und nicht zu missionieren. Dazu passt ein Zitat eines Referenten aus einer der zahlreichen Arbeitssitzungen sehr gut. Herr Professor Doktor Bertram Stubenrauch sagte zum Thema Ökumene und interkonfessionellen Dialog: „Händchenhalten und Glückskekse verteilen ist keine Ökumene! Wir müssen füreinander eine Zumutung bleiben!“

Und doch gibt es etwas, was alle Christen vereint. Trotz aller Unterschiede haben wir alle eine große Gemeinsamkeit. Es ist das gemeinsame Bekenntnis zu Christus. In seinem Brief an die Korinther wendet sich Paulus an die Bewohner der Stadt, weil er erfahren hat, dass es unter der christlichen Gemeinde zu Spaltungen gekommen ist. Er fragt: „Ist Christus etwa zerteilt?"

Nun fragt Paulus die einzelnen Gruppen, zu wem sie sich bekennen. Die Antwort lautet, dass sich alle Gruppierungen zu Christus bekennen und so ist es auch heute. Trotz aller Unterschiede sollten wir uns immer wieder klarmachen, dass wir uns alle zu Christus bekennen. Alle Christen sind zur Nachfolge verpflichtet. Gemeinsam können wir uns in Christi Namen für eine bessere Welt stark machen und das auch, wenn es noch einiges gibt, was die vielen christlichen Kirchen und Konfessionen trennt.

Und es geht nicht nur um das Bekenntnis zu Jesus. Was uns zutiefst eint, ist unsere Beziehung, unsere Liebe, unser Gebet zu ihm. Da gibt es dann schon eine Einheit im Glauben, die sehr tröstlich ist und tiefer geht als die anderen Unterschiede und Trennungen.

Es grüßt Sie herzlich
Stefan Reck

18. Juli 2018

 

Die Einheit der Kirche um Christus wird durch den Heiligen Geist zu Pfingsten bewirkt, wie es dieses uralte Bild aus dem Egbert-Codex (um 990 n. Chr.) zeigt:

 

Spaltungen in der Gemeinde – 1. Korinther 1,10 - 17

10 Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, im Namen unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr alle mit einer Stimme redet und lasst keine Spaltungen unter euch sein, sondern haltet aneinander fest in einem Sinn und in einer Meinung.
11 Denn es ist mir bekannt geworden über euch, liebe Brüder, durch die Leute der Chloe, dass Streit unter euch ist. 12 Ich meine aber dies, dass unter euch der eine sagt: Ich gehöre zu Paulus, der andere: Ich zu Apollos, der Dritte: Ich zu Kephas, der Vierte: Ich zu Christus. 13 Wie? Ist Christus etwa zerteilt? Ist denn Paulus für euch gekreuzigt? Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft? 14 Ich danke Gott, dass ich niemanden unter euch getauft habe außer Krispus und Gajus, 15 damit nicht jemand sagen kann, ihr wäret auf meinen Namen getauft. 16 Ich habe aber auch Stephanas und sein Haus getauft; sonst weiß ich nicht, ob ich noch jemanden getauft habe. 17 Denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu predigen – nicht mit klugen Worten, damit nicht das Kreuz Christi zunichte werde.