Foto: John H. White - CC0

Wie eine Mutter ihr Kind tröstet …

Wie eine Mutter ihr Kind tröstet, haben Sie sicher schon oft gesehen. Und Sie haben es sicherlich selbst als Kind erfahren. Meist erinnern wir uns nicht, denn wir waren ja oft noch sehr klein. Aber vielleicht erinnern Sie sich doch, wie die Mutter Sie getröstet hat: „Mein Liebes, weine nicht! Es wird alles wieder gut!“ Vielleicht sogar mit einem Lied: „Heile, heile Gänschen, es ist bald wieder gut.“ Und dazu lieb in die Arme genommen und gestreichelt werden, das tut gut. Und dann pustet die gute Mutter auf die wehe Stelle. Ja, das tröstet. Ja, dann ist es bald wieder gut. Das ist lange her.

Wer tröstet Sie heute? Oftmals tröstet uns da ja eher ein Etwas: eine Tafel Schokolade, ein Spiel im Computer oder ein Gläschen. Das sind Tröster, die nahe liegen, meist aber nicht so gut tun auf Dauer. Ein Gang durch den Wald ist meist tröstender oder auch Musik. Nach dem heiligen Thomas von Aquin auch ein warmes Bad. Warum? Weil wir da gewissermaßen in den Bauch der Mutter zurückkehren, wo es uns sooo gut ging. Das sagen die Psychologen heute zum Rat von Thomas von Aquin. Also tun Sie es, doppelt beraten!

Natürlich sind nahe Menschen, Partner, Freunde und Freundinnen, bei denen ich mich aussprechen kann, am besten als Tröster. Sie müssen gar nicht viel sagen, zuhören ist wichtiger. Aber sie sollen einen auch einmal in den Arm nehmen und drücken. Freunde, die einfach da sind und beistehen. Das tröstet.

Und solch ein Tröster ist auch Gott, so gut, so zärtlich, so verständnisvoll wie die Mutter, die es am besten konnte. Das sagt uns schon der Prophet Jesaja (66,13). Und das sagt uns auch Jesus zum Abschied. Er sendet uns den Tröster, den Beistand, den Anwalt. Ihn schenkt der Auferstandene, als die Jünger traurig, trostlos, verschlossen, angstvoll und mit schlechtem Gewissen zusammensitzen und er unerwartet in ihre Mitte tritt (siehe unten den Text Joh 20,19-23). Und diese Begegnung mit Ihm bringt die Freude, die Vergebung und die Gemeinschaft, eine neue Mitte und einen neuen Sinn in ihr Leben. Sie bringt eine Wandlung mit sich, die die Jünger so erleben: Ich habe einen neuen Geist bekommen. Ich bin ein neuer Mensch geworden. Eine Erfahrung, die durch die Jahrhunderte geht.

Bei Ignatius von Loyola heißt diese Erfahrung auch Trost (consolación, vgl. Geistliche Übungen Nr. 316). Es ist das Spüren der Gegenwart Gottes. Und er meint damit nicht nur Freude, sondern die ganze Bandbreite menschlicher Gefühle, aber aus dieser Erfahrung der Gegenwart Gottes heraus. So nennt er es auch Trost, wenn er aus Liebe zu Gott oder aus Reue über seine Verfehlungen, weinen kann. Gerade diese Gabe der Tränen war Ignatius besonders wertvoll. Es gibt aber auch den heiligen Zorn, der sich meldet, wenn Unmenschliches geschieht und mich zur abwehrenden Tat ruft. Den finden wir auch bei Jesus (und beim Kämpfer Ignatius).

Diesen Trost gibt Gott, wann und wie er will. Es ist sein freies Geschenk. Er kann nicht hergestellt oder produziert werden. Und das ist wichtig für uns heute. Aus zwei Gründen. Wir denken, durch richtiges Meditieren, vollendete Atemtechnik usw. könnten wir ihn machen. Oder wir denken, es sei der selbst verdiente Lohn für ein gottgefälliges Leben. Und vor allem denken wir, wenn sich uns diese spürbare Nähe entzieht, dass wir selbst daran schuld sind. Dem muss nicht so sein. Es kann sein, wenn ich träge oder gleichgültig werde und die Beziehung zu Gott vernachlässige, dass mir Gott den Trost entzieht. Aber es kann gerade auch ganz anders sein. Der Wechsel von Trost und Trostlosigkeit ist nämlich das Mittel, wie Gott uns erzieht oder wie er zur Klärung unserer Motivationen führt. Klassisch der Weg der Reinigung genannt. Über Trost und Trostlosigkeit als pädagogische Mittel Gottes und als (oft negativen) Beweis seiner freien Antwort auf unser Gebet schreibe ich das nächste Mal.

Jetzt wünsche ich Ihnen erst einmal von Herzen den Trost des Heiligen Geistes, Seine Freude, Seine Kraft.

Thomas Gertler SJ

12. Juni 2019

Jesus haucht die Jünger an, wie es Gott einst mit den ersten Menschen im Paradies getan hatte. So wurde aus dem Lehmkloß ein lebendes Wesen mit Geist. Das Geschenk des Geistes ist ein kreativer Akt. Er macht uns zu neuen Menschen. Das erfahren oft Menschen besonders stark, wenn sie neu zum Glauben finden. Sie sehen neu, empfinden neu und sind wahrhaft be-geistert.

Johannes 20,19 - 23

19 Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. 21 Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. 22 Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! 23 Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.