Foto: Pfr. W. Teichert

Geist der Kirche oder Geisterkirche?

In Luková, einem kleinen Ort in Tschechien in der Nähe von Marienbad, gibt es die Georgskirche, darin sitzen diese weißen Gestalten. Ein alter Freund von mir, Pfarrer Wolfgang Teichert, hat sie besucht und das Foto oben gemacht. Hier noch ein kurzer Film darüber. Die Figuren sehen aus wie Geister und es ist etwas unheimlich. Ein junger Künstler hat seine Mitstudenten gebeten, eine halbe Stunde oder länger für ihn zu sitzen. Er hat sie mit Tüchern behängt und diese dann mit Gips getränkt. Als der Gips trocken war, durften sie wieder herausschlüpfen. So entstanden diese Geister. Und man nennt diese Kirche seitdem auch Geisterkirche.

Was wollte der junge Künstler namens Jacub Hatrava mit dieser Installation in der baufälligen Kirche sagen und bewirken? Ihn hat der Zustand dieser Kirche berührt. Sie ist sehr verfallen und er möchte zusammen mit anderen, dass sie erhalten wird. Die Geister sollen die heutigen Besucher an die früheren Beter in St. Georg erinnern. Deren Geist ist auch noch in der verfallenen Kirche zu spüren. Der junge Künstler macht mit seinen Geistern diesen Geist der Kirche wieder bewusst.

Diese Kirche hat früher das alltägliche Leben der Menschen begleitet und von der Geburt bis zum Tod mit Gott verbunden. Sonntags und werktags war hier Gottesdienst. Man kann noch lesen, was vor dem Altarraum steht: „Mein Haus ist ein Bethaus!“ Ja, das war es. Und an der Stelle bei Lk 19,46 steht als Fortsetzung: „Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht!“ Dass der Geist der Kirche zur bloßen Geisterkirche wird, das ist die Gefahr.

Jacub Hatrava und viele andere wollen, dass es wieder eine würdige Gebetsstätte wird. Und so wird es wohl auch geschehen. Denn viele Menschen kommen, um diese Kunstinstallation zu sehen. Und sie lassen Spenden da. Und die Kirche ist jetzt schon vor weiterem Verfallen gerettet. Sie wird auch weiter renoviert werden.

Ich weiß, dass viele Dorfkirchen ist Deutschland in ähnlichen Zuständen waren und sind. Viele Bewohner der Orte wollen aber unbedingt, dass die Kirche im Dorf bleibt, und engagieren sich, um dem Verfall entgegen zu wirken. Das wollen häufig auch nicht gläubige Bürger und helfen bei der Erhaltung. Denn die Kirche gibt dem Dorf eine Mitte, gibt ihm Schönheit, Würde und Geschichte.

Aber es geht ja letztlich nicht nur um den Erhalt des schönen alten Gebäudes. Es geht um den Geist der Kirche. Und der Geist der Kirche ist, dass darin Gott verehrt wird, dass gebetet wird und dass Gott weiter das alltägliche Leben mitbestimmt und mitprägt. Eine Kirche, die Gott nicht mehr ehrt, was ist die wert? Sie wird zur Geisterkirche. Innerlich hohl und leer. Bloß noch eine Hülle und eine Erinnerung. Wie es vor Jahren schon Wilhelm Willms in seinem Gedicht „Vision“ geschrieben hat. Die Kirchen Europas sind in darin zu leeren Schneckenhäusern geworden, in die hektisch Touristen wie Insekten ein- und ausziehen. Die Kirchen sind zu Gräbern, zu Geisterkirchen geworden.

Am Schluss heißt es jedoch österlich: „Das Grab ist leer. Der Held erwacht. Aber anderswo.“ Wilhelm Willms ist nicht hoffnungslos. Er weiß, in vielen anderen Kontinenten ist der auferstandene Christus präsent, ist der Geist in den Kirchen lebendig und wirksam. Dass dieser Geist der Kirche auch hier wieder erwachen und unsere Geisterkirchen verwandeln kann, davon bin auch ich überzeugt. Und manchmal und mancherorts ist davon auch etwas spürbar. Und wir selbst können dazu beitragen. Das schreibt uns auch Wolfgang Teichert.

Es grüßt Sie herzlich in diesen Tagen des Frühlingsanfangs
Thomas Gertler SJ

20. März 2019

Dieses Lied, den Psalm 122, hat Jesus gesungen, als er als Zwölfjähriger zum Tempel in Jerusalem zog, um in die Gemeinde der Erwachsenen aufgenommen zu werden und im Haus Gottes zu beten und zu singen. Dieses Haus des Herrn war ihm heilig. Oft ist er im Tempel zu Jerusalem gewesen. Jede Woche auch in den verschiedenen Synagogen und Gotteshäusern.

 


 

Psalm 122, 1 - 9

122,1 Ein Wallfahrtslied. Von David. Ich freute mich, als man mir sagte: Zum Haus des HERRN wollen wir gehen.
2 Schon stehen unsere Füße in deinen Toren, Jerusalem:
3 Jerusalem, als Stadt erbaut, die fest in sich gefügt ist.
4 Dorthin zogen die Stämme hinauf, die Stämme des HERRN, wie es Gebot ist für Israel, den Namen des HERRN zu preisen.
5 Denn dort standen Throne für das Gericht, die Throne des Hauses David.
6 Erbittet Frieden für Jerusalem! Geborgen seien, die dich lieben.
7 Friede sei in deinen Mauern, Geborgenheit in deinen Häusern!
8 Wegen meiner Brüder und meiner Freunde will ich sagen: In dir sei Friede.
9 Wegen des Hauses des HERRN, unseres Gottes, will ich dir Glück erflehen.