Abschied und Willkommen

Wir kennen es genau andersherum und da klingt es auch poetischer, nämlich wie Goethes Gedicht: „Willkommen und Abschied.“ Wir halten es hier und jetzt genau andersherum. Zuerst der Abschied, dann das Willkommen. Der Abschied vom Jahr 2023. Viele Zeitungen haben schon die Überschriften und Bilder des Jahres geliefert. So viele schlimme und schlimmste Ereignisse. So viel Leid und Tod. So viel Verzweiflung und Aussichtslosigkeit. Und dann wieder die Nachricht: so viele Deutsche haben dieses Jahr persönlich als gut empfunden. Sie, liebe Leserinnen und Leser, werden einen Jahresrückblick halten, nehme ich an, und Sie werden Abschied von diesem Jahr 2023 nehmen.

Noch ein Abschied, nämlich der Abschied von „update-seele.de“. Lange habe ich es schon angekündigt, jetzt soll es passieren. Dies ist der letzte Impuls, wirklich der letzte. Im Jahr 2007 haben wir mit der Seite begonnen. Jede Woche ein Impuls außer in den Ferien im August und nicht nur von mir, viele haben mitgeschrieben. Besonders danken möchte ich Marlies Fricke. Sie war bis zuletzt dabei und hat uns wunderbare Impulse gegeben. Auch gab es einen modernen Katechismus, den dankenswerterweise Eckhard Bieger SJ geschrieben hat und der nach einem Zusammenbruch der Seite verschwunden war und sich genauso wie die Impulse rätselhafterweise nicht wieder herstellen ließ. Ein ganz herzliches Dankeschön auch an Frau Andrea Meyering und alle Begleiterinnen und Begleiter! Oben können Sie alle mit Bild und Lebenslauf finden. Mit wie vielen Menschen sind sie auf dem Glaubensweg Schritte mitgegangen, haben Gespräche geführt und mitgebetet. Danke schön! Und „last but not least“ Herr Florian Hintz, der die technische Betreuung so lange und zuverlässig übernommen hat. Danke! Danke! Danke!

Jetzt also Abschied und Ende. Warum? Viele Gespräche habe ich geführt, wer eventuell die Seite weiterführen könnte. Ich habe niemanden gefunden. Mit gut verständlichen Gründen überall. Ich selbst bin jetzt 75 Jahre alt und ich möchte aufhören, solange alle noch zufrieden sind mit der Seite und gern hätten, dass ich weiter mache. So ist das besser, als wenn es allen anderen reicht, nur mir nicht.

Und es geht doch weiter. Also nun „Willkommen!“. Seit Corona gibt es die "Ignatianische Nachbarschaftshilfe" bei den Jesuiten. Sie hat fast genau das gleiche Format wie „update-seele“. Es schreiben dort etliche Jesuiten und mich werden Sie dort auch ab und zu einmal wiederfinden mit einem Impuls. Also ich empfehle Ihnen dringend diese „Ignatianische Nachbarschaftshilfe“, wenn Sie eine Fortsetzung von „update-seele“ wollen.

„Update-seele“ wird noch bis Ende Februar, Anfang März im Netz bestehen bleiben. Dann wird sie abgeschaltet. Alle alten Impulse können Sie sich aus dem Archiv herunterladen und haben dann Vorrat für lange Zeit. Sich diesen Vorrat anzuschaffen, ist also jetzt mehr als zwei Monate möglich.

Liebe Leserinnen, liebe Leser, wie schön war es über so lange Zeit, wöchentlich den Impuls zu schreiben. Es wird mir fehlen. Es wird mir manchmal in den Fingern kribbeln. Das Schreiben hat mir selbst geholfen, über vieles nachzudenken, den Glauben besser zu verstehen und vor allem, über ihn zu sprechen, und zwar in einer möglichst verständlichen Sprache. Das war das Anliegen: Glauben und Alltagserfahrung, Glaubenssprache und Alltagssprache wieder näher zusammen zu bringen. Darum haben wir meist mir solchen Alltagserfahrungen begonnen und von ihnen aus zu Fragen und Antworten des Glaubens weitergeführt. Es gibt sehr viele Glaubensseiten im Netz. Die meisten fangen mit einer Bibelstelle an und erläutern sie. Bei uns stand die Bibelstelle am Ende und sollte die alltäglichen Erfahrungen weiter und tiefer führen oder auch mal im Kontrast stehen. Nicht immer ist es gelungen, auch auf „update-seele“ ist der Durchschnitt eben durchschnittlich. Darüber gibt es einen eigenen Impuls. Das darf so sein und wird so bleiben. Jeder Gipfel braucht eine Menge Berg unter sich.

Willkommen soll uns am Ende das Neue Jahr 2024 sein. Ausblicke auf das Jahr sind jetzt auch schon überall zu lesen und zu hören. Was mir Hoffnung in all den Bedrohlichkeiten schenkt, ist dieser Glaube: auch das nun kommende Jahr wird ein Annus Domini, ein Jahr des Herrn sein. Ein Jahr, das in Gottes Hand liegt, ein Jahr, das Er begleitet, ein Jahr, das uns Ihm näherbringt, komme, was da wolle.

Das wünsche ich Ihnen mit großer Dankbarkeit für all die gemeinsamen Jahre: die Erfahrung geführt und geleitet zu sein von Gottes Gnade und Gottes Licht, wie Er uns bisher geleitet und geführt hat mit seiner Gnade und seinem Licht.

Thomas Gertler SJ

27. Dezember 2023

Als Bibelstelle nehme ich den Ruf Gottes an Abraham, darin sind auch Abschied vom bisherigen und Willkommen des Neuen und Verheißung des Mitgehens enthalten und Segen versprochen. Es passt also gut. Außerdem war Abraham auch 75 Jahre alt, als er berufen wurde, alles zu lassen und in ein verheißenes Land zu ziehen.

Genesis 12,1-8

1 Der HERR sprach zu Abram: Geh fort aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde! 2 Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein. 3 Ich werde segnen, die dich segnen; wer dich verwünscht, den werde ich verfluchen. Durch dich sollen alle Sippen der Erde Segen erlangen. 4 Da ging Abram, wie der HERR ihm gesagt hatte, und mit ihm ging auch Lot. Abram war fünfundsiebzig Jahre alt, als er von Haran auszog. 5 Abram nahm seine Frau Sarai mit, seinen Neffen Lot und alle ihre Habe, die sie erworben hatten, und alle, die sie in Haran hinzugewonnen hatten. Sie zogen aus, um in das Land Kanaan zu gehen, und sie kamen in das Land Kanaan. 6 Abram zog durch das Land bis zur Stätte von Sichem, bis zur Orakeleiche. Die Kanaaniter waren damals im Land. 7 Der HERR erschien Abram und sprach: Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land. Dort baute er dem HERRN, der ihm erschienen war, einen Altar. 8 Von da brach er auf zu dem Gebirge östlich von Bet-El und schlug sein Zelt so auf, dass er Bet-El im Westen und Ai im Osten hatte. Dort baute er dem HERRN einen Altar und rief den Namen des HERRN an.