Foto: Rufus46 - CC BY-SA 3.0

Sing mal wieder!

Dazu möchte dieses Bild einladen: mal wieder zu singen. Am besten so versunken und ganz im Lied wie der Mann oben. Das Bild aus dem Jahr 1928 zeigt eine Skulptur von Ernst Barlach und heißt, wie man sich denken kann „Singender Mann“. Sie soll eine der am meisten reproduzierten Plastiken Barlachs sein. Hier kann man sie langsam und von allen Seiten betrachten.

Aber es geht mir nicht um die Figur. Es geht mir um das Singen als zutiefst menschlich Äußerung. Singen ist so alt wie Sprechen und ist immer Erhöhung und Vertiefung des Sprechens. Es äußert darin viel mehr an Gefühl als im neutraleren Sprechen, und das Singen ruft die Gefühle auch hervor. Singen bringt in Stimmung und braucht Stimmung. Wie ist es bei Ihnen mit dem Singen? Singen Sie selbst? Unter der Dusche, im Bad? Oder auch in Gemeinschaft und als Ausdruck der Gemeinschaft? Wann zuletzt?

Ich singe beinahe täglich im Gottesdienst. Und es war sehr schlimm, als das Singen während der ersten Corona-Phase so eingeschränkt war. Aber in manchen Weltgegenden wurde dann auf dem Balkon gesungen. Oder es gab einen Online-Jazz-Chor „Lady Corona“ wie Sie ihn hier hören können.

Für Kinder ist das Singen so wichtig, denn es ist heilsam und beruhigend. Meine Schwester hat oft als Kinderärztin mit den Kindern gesungen und den Eltern ihrer kleinen Patienten geraten, mit den Kindern wenigstens abends vor dem Schlafen ein Lied zu singen.

Was ist Ihre liebste Form von Musik? Vielleicht das Volkslied wie „Der Mond ist aufgegangen…“?
Volkslieder haben wir oft als Familie gesungen. Besonders wenn wir zum Beispiel auf langen Autofahrten unterwegs waren und wir vier Kinder uns hinten drängelten und schubsten. Das Singen hat dann wieder etwas Disziplin in die Runde gebracht. Traurige Lieder waren dafür natürlich besonders geeignet. Dann haben wir hinten im Wagen vor uns hingeschluchzt.

Die Musik, die mich am leichtesten in Stimmung bringt, ist der Jazz. Wie hier Louis Amstrong oder wie Harry Belafonte: Da gehe ich sofort innerlich mit.

Für die meisten ist ja die klassische Musik das Richtige. Hier das Menuett von Boccherini. Es kann übrigens auch mitgesungen werden und da singe ich dann auch gern mit. 😊

Sie sehen und hören, es gibt unendlich viele Formen der Musik und des Singens. Und es ist nicht nur so, wie das Sprichwort sagt: „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder. Böse Menschen haben keine Lieder.“ Was leider, leider nicht stimmt. Es ist auf jeden Fall richtig, was als Satz dem hl. Augustinus zugeschrieben wird: „Wer singt, betet doppelt“ (Qui bene cantat bis orat). Es erhebt unser Herz.

So wünsche ich Ihnen: singen Sie mal wieder! Es wird Ihnen gut tun.

Thomas Gertler SJ

29. Juni 2022

Hier auf dem Foto unten singt man Weihnachtlieder in Lviv. Die habe ich noch vergessen zu erwähnen. Weihnachtslieder kennen alle, auch diejenigen, die sonst nicht viel mit Kirche und Glauben zu tun haben. Der Epheserbrief sagt uns, dass schon die erste Generation der Christen voll von dankbarem Gesang war und viele Lieder von damals singen wir heute noch, zum Beispiel das Loblied Marias das „Magnificat“.

Foto: Alina Vozna - CC BY-SA 4.0

Brief an die Epheser 5,15 - 20

5,15 Achtet also sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht wie Toren, sondern wie Kluge! 16 Nutzt die Zeit, denn die Tage sind böse. 17 Darum seid nicht unverständig, sondern begreift, was der Wille des Herrn ist! 18 Berauscht euch nicht mit Wein - das macht zügellos -, sondern lasst euch vom Geist erfüllen! 19 Lasst in eurer Mitte Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder erklingen, singt und jubelt aus vollem Herzen dem Herrn! 20 Sagt Gott, dem Vater, jederzeit Dank für alles im Namen unseres Herrn Jesus Christus!