Das Christentum prägt Europa seit rund zwei Jahrtausenden. Kirchen, Klöster, Feiertage, Kunstwerke und zahlreiche Traditionen zeugen von seinem historischen Einfluss. Doch die religiöse Landschaft des Kontinents verändert sich: Immer mehr Menschen treten aus Kirchen aus, bezeichnen sich als konfessionslos oder leben ihren Glauben unabhängig von einer Religionsgemeinschaft.
Wie viele Christen leben 2026 in Europa? In welchen Ländern ist das Christentum besonders verbreitet? Und wie haben sich die Zahlen in den vergangenen Jahren entwickelt?
Aktuelle Statistiken zeigen, dass das Christentum weiterhin die größte Religionsgemeinschaft Europas ist. Gleichzeitig nimmt sein Anteil an der Bevölkerung ab. Für eine fundierte Einordnung sind allerdings die neuesten verfügbaren Erhebungen entscheidend: Viele international vergleichbare Daten beziehen sich auf das Jahr 2020 und wurden erst 2025 veröffentlicht.
1. Christentum in Europa: Die wichtigsten Statistiken
Eine umfassende Untersuchung des Pew Research Center zur weltweiten Religionszugehörigkeit liefert wichtige Vergleichszahlen für Europa. Sie basiert auf mehr als 2.700 Volkszählungen und Umfragen.
Die folgenden Werte beziehen sich auf die Jahre 2010 und 2020 und bilden die derzeitige statistische Vergleichsgrundlage für die Entwicklung des Christentums in Europa.
| Kennzahl | Statistik |
|---|---|
| Einwohner Europas 2020 | rund 753 Millionen |
| Christen in Europa 2020 | rund 505 Millionen |
| Anteil der Christen 2020 | 67,1 % |
| Anteil der Christen 2010 | 74,6 % |
| Veränderung des christlichen Bevölkerungsanteils | −7,6 Prozentpunkte |
| Veränderung der absoluten Zahl der Christen | −8,8 % |
| Konfessionslose in Europa 2020 | rund 190 Millionen |
| Anteil der Konfessionslosen 2020 | 25,3 % |
| Muslime in Europa 2020 | rund 45,5 Millionen |
| Anteil der Muslime 2020 | 6,0 % |
Quelle: Pew Research Center – Religion in Europe.
Wichtig für die Statistik 2026: Die genannten Zahlen sind keine aktuellen Zählwerte für 2026, sondern die Ergebnisse der letzten hier zugrunde gelegten, international vergleichbaren Untersuchung für 2020. Sie zeigen die längerfristige Entwicklung und sollten nicht mit einer Hochrechnung für das Jahr 2026 verwechselt werden.
2. Wie viele Christen leben 2026 in Europa?
Eine exakte, europaweit einheitlich erhobene Zahl für 2026 lässt sich aus den genannten Daten nicht ableiten. Das liegt unter anderem daran, dass die Staaten unterschiedliche Methoden zur Erfassung der Religionszugehörigkeit verwenden. Manche erheben die Konfession bei Volkszählungen, andere stützen sich auf Umfragen oder kirchliche Mitgliederstatistiken.
Die Größenordnung ist dennoch eindeutig: Europa gehört weiterhin zu den Regionen mit einer sehr großen christlichen Bevölkerung. Rund 505 Millionen Menschen wurden für 2020 als Christen erfasst.
Dabei ist zwischen drei unterschiedlichen Kennzahlen zu unterscheiden:
-
Christliche Bevölkerung: Menschen, die sich selbst als Christen bezeichnen oder in der jeweiligen Erhebung dieser Religionsgruppe zugeordnet werden.
-
Kirchenmitglieder: Personen, die offiziell einer Kirche angehören, beispielsweise der katholischen oder einer evangelischen Kirche.
-
Aktive Gläubige: Menschen, die ihren Glauben regelmäßig praktizieren, etwa durch Gottesdienstbesuche oder die Teilnahme am Gemeindeleben.
Diese Gruppen sind nicht identisch. Ein Mensch kann beispielsweise Mitglied einer Kirche sein, ohne regelmäßig Gottesdienste zu besuchen. Umgekehrt können sich Menschen als Christen verstehen, obwohl sie keiner Kirche angehören.
Für die Bewertung des Christentums in Europa ist dieser Unterschied besonders wichtig.
3. Entwicklung des Christentums in Europa von 2010 bis 2020
Die Entwicklung über zehn Jahre zeigt einen deutlichen Wandel. Während die europäische Bevölkerung insgesamt leicht wuchs, ging die Zahl der Menschen zurück, die sich dem Christentum zuordneten.
| Kennzahl | 2010 | 2020 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Christen | 553,6 Mio. | 505,1 Mio. | −8,8 % |
| Konfessionslose | 138,7 Mio. | 190,3 Mio. | +37,2 % |
| Muslime | 39,3 Mio. | 45,5 Mio. | +15,9 % |
| Gesamtbevölkerung | 741,7 Mio. | 753,0 Mio. | +1,5 % |
Quelle: Pew Research Center – Veränderung der Religionszugehörigkeit in Europa.
Die Zahlen machen deutlich, dass der Rückgang des Christentums nicht allein durch die Bevölkerungsentwicklung erklärt werden kann. Ein wesentlicher Faktor ist der Wechsel von einer christlichen Religionszugehörigkeit zu keiner Religionszugehörigkeit.
Gleichzeitig muss berücksichtigt werden, dass sich die Entwicklung von Land zu Land unterscheidet. Während in einigen europäischen Staaten christliche Traditionen weiterhin eine wichtige Rolle spielen, hat die Säkularisierung in anderen Ländern deutlich zugenommen.
4. In welchen europäischen Ländern gibt es besonders viele Christen?
Europa ist religiös vielfältig. In vielen Ländern bilden Christen weiterhin die größte Religionsgruppe, während andere Staaten inzwischen stärker durch Konfessionslosigkeit geprägt sind.
Besonders aufschlussreich sind die Daten für Frankreich, das Vereinigte Königreich und die Niederlande.
Frankreich
46 % Christen
Anteil im Jahr 2020
Frankreich verlor zwischen 2010 und 2020 seine christliche Bevölkerungsmehrheit. Etwa 43 % der Bevölkerung waren 2020 konfessionslos. Das Land gehört damit zu den europäischen Beispielen für eine stark veränderte Religionslandschaft.
Vereinigtes Königreich
49 % Christen
Anteil im Jahr 2020
Auch das Vereinigte Königreich hatte 2020 keine christliche Bevölkerungsmehrheit mehr. Der Anteil der Konfessionslosen lag bei rund 40 %. Der Rückgang christlicher Religionszugehörigkeit zählt hier zu den auffälligsten Veränderungen Europas.
Niederlande
54 % Konfessionslose
Anteil im Jahr 2020
In den Niederlanden stellten Menschen ohne Religionszugehörigkeit bereits die Bevölkerungsmehrheit. Die christlichen Bevölkerungsanteile gingen im Untersuchungszeitraum deutlich zurück.
Quelle: Pew Research Center – Religionsgruppen in Europa.
Diese Beispiele zeigen, weshalb sich pauschale Aussagen über die Religiosität Europas nur bedingt eignen. Die religiöse Landschaft in Nord-, West-, Süd- und Osteuropa weist teilweise erhebliche Unterschiede auf.
5. Katholiken, Protestanten und orthodoxe Christen in Europa
Das Christentum ist keine einheitliche Religionsgemeinschaft. In Europa prägen vor allem drei große Traditionen die religiöse Landschaft: der Katholizismus, der Protestantismus und die orthodoxen Kirchen.
Katholisches Christentum
Der Katholizismus ist besonders in Teilen Süd-, West- und Mitteleuropas historisch stark verankert. Dazu zählen beispielsweise Italien, Spanien, Polen, Portugal und Österreich. Auch in Deutschland gehört ein erheblicher Teil der Bevölkerung der katholischen Kirche an.
Protestantisches Christentum
Protestantische Kirchen haben insbesondere in Nordeuropa und in Teilen Mitteleuropas eine lange Tradition. In Deutschland gehören dazu unter anderem die evangelischen Landeskirchen. Kirchliche Mitgliedschaft und persönliche Glaubenspraxis unterscheiden sich allerdings auch hier deutlich.
Orthodoxes Christentum
Orthodoxe Kirchen sind unter anderem in Griechenland, Rumänien, Bulgarien, Serbien und anderen Ländern Südost- und Osteuropas von großer historischer Bedeutung. In einigen dieser Staaten ist die orthodoxe Tradition eng mit nationaler Geschichte und kultureller Identität verbunden.
Ein europaweiter Vergleich dieser drei Traditionen ist schwieriger als die Erfassung des Christentums insgesamt. Je nach Studie werden beispielsweise Kirchenmitglieder, religiöse Selbstidentifikation oder regelmäßige Gottesdienstbesuche erfasst. Deshalb sollte eine Statistik immer erkennen lassen, welche Definition verwendet wurde.
6. Warum nimmt die Zahl der Christen in Europa ab?
Der Rückgang christlicher Religionszugehörigkeit hat mehrere Ursachen. Die wissenschaftlichen Untersuchungen weisen insbesondere auf den Wandel religiöser Identität und die demografische Entwicklung hin.
Säkularisierung und Kirchenaustritte
In vielen europäischen Gesellschaften spielt Religion im Alltag eine geringere Rolle als noch vor einigen Jahrzehnten. Menschen entscheiden häufiger selbst, ob sie einer Religionsgemeinschaft angehören möchten. Kirchenaustritte und die bewusste Entscheidung gegen eine religiöse Zugehörigkeit tragen deshalb zum Rückgang bei.
Weniger Weitergabe des Glaubens
Wenn Eltern ihren Glauben nicht mehr aktiv an ihre Kinder weitergeben, sinkt langfristig die Zahl der Menschen, die sich als Christen identifizieren. Dieser Generationenwechsel kann die Religionslandschaft nachhaltig verändern.
Alterung der Bevölkerung
Christen in Europa sind im Durchschnitt älter als manche anderen religiösen Bevölkerungsgruppen. Nach der Pew-Auswertung lag das Medianalter der europäischen Christen 2020 bei etwa 45 Jahren, verglichen mit 42 Jahren für die Gesamtbevölkerung Europas.
Die Altersstruktur kann die Entwicklung der Mitgliederzahlen beeinflussen, ist aber nicht allein dafür verantwortlich.
Migration und gesellschaftlicher Wandel
Migration trägt zur religiösen Vielfalt Europas bei. Menschen bringen unterschiedliche religiöse Traditionen mit oder entscheiden sich im Laufe ihres Lebens für eine andere Religionszugehörigkeit. Auch die Zusammensetzung der Bevölkerung und die Geburtenentwicklung beeinflussen die langfristigen Veränderungen.
Dabei wäre es falsch, den Rückgang des Christentums ausschließlich mit Migration zu erklären. Die Pew-Analyse hebt vor allem die zunehmende religiöse Nichtzugehörigkeit als wichtigen Faktor hervor.
7. Christentum in Deutschland: Ein Beispiel für den Wandel
Deutschland zeigt besonders deutlich, weshalb zwischen kultureller Prägung, Kirchenmitgliedschaft und persönlichem Glauben unterschieden werden muss.
Die beiden großen christlichen Kirchen, die römisch-katholische Kirche und die evangelischen Landeskirchen, veröffentlichen regelmäßig Mitgliederstatistiken. Diese Daten zeigen die Entwicklung der formellen Kirchenzugehörigkeit, sind aber nicht direkt mit internationalen Umfragen zur christlichen Selbstidentifikation vergleichbar.
Für amtliche Bevölkerungsdaten bietet das Statistische Bundesamt Informationen zur Religionszugehörigkeit in der Zensusdatenbank. Beim Zensus 2022 wurde die Zugehörigkeit zu öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschaften anhand des Melderegisters erfasst.
Ergänzend liefern die offiziellen Veröffentlichungen der Kirchen weitere Informationen:
Für die Statistik 2026 ist es sinnvoll, diese nationalen Daten zusätzlich heranzuziehen. Sie zeigen, wie sich die Kirchenmitgliedschaften in Deutschland entwickeln, während internationale Studien eine Einordnung im europäischen Vergleich ermöglichen.
8. Europa im weltweiten Vergleich: Wo leben die meisten Christen?
Eine wichtige Veränderung betrifft nicht nur die Zahl der Christen in Europa, sondern auch ihre weltweite geografische Verteilung.
Laut Pew Research Center lebten 2020 rund 22 % aller Christen weltweit in Europa. Die Region Subsahara-Afrika hatte Europa inzwischen überholt und beherbergte mit rund 31 % den größten Anteil der globalen christlichen Bevölkerung.
| Region | Anteil an allen Christen weltweit 2020 |
|---|---|
| Subsahara-Afrika | rund 31 % |
| Lateinamerika und Karibik | rund 24 % |
| Europa | rund 22 % |
| Nordamerika | rund 10 % |
Quelle: Pew Research Center – Weltweite Entwicklung der christlichen Bevölkerung.
Europa bleibt damit ein zentraler historischer und kultureller Bezugspunkt des Christentums, ist aber nicht mehr dessen bevölkerungsreichster Schwerpunkt. Das Wachstum der christlichen Bevölkerung in Teilen Afrikas hat die weltweite Verteilung erheblich verändert.
9. Wie zuverlässig sind Statistiken zum Christentum 2026?
Bei der Interpretation religiöser Statistiken sind einige Einschränkungen wichtig.
Erstens werden Daten nicht in allen Ländern regelmäßig erhoben. Zweitens unterscheiden sich die Erhebungsmethoden. Drittens kann die tatsächliche Religiosität nicht allein aus der Mitgliedschaft in einer Kirche abgeleitet werden.
Eine Person kann sich beispielsweise als Christ bezeichnen, ohne einer Kirche anzugehören. Umgekehrt kann eine Kirchenmitgliedschaft bestehen, obwohl die betreffende Person ihren Glauben kaum praktiziert.
Für einen seriösen Artikel zum Thema Christentum in Europa 2026 sollten deshalb mindestens drei Informationsquellen berücksichtigt werden:
-
Internationale Vergleichsstudien zur Religionszugehörigkeit, etwa vom Pew Research Center.
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Nationale Volkszählungen und amtliche Bevölkerungsstatistiken.
-
Mitgliederstatistiken der jeweiligen Kirchen und Religionsgemeinschaften.
Besonders hilfreich ist die Datensammlung zur weltweiten Religionszusammensetzung von Pew Research Center. Sie enthält vergleichbare Schätzungen für 2010 und 2020 und wurde 2026 um Kennzahlen zur religiösen Vielfalt ergänzt.
10. Fazit: Christentum in Europa 2026
Das Christentum bleibt die größte Religionsgemeinschaft Europas. Die international vergleichbaren Daten für 2020 zeigen jedoch einen deutlichen langfristigen Rückgang: Die Zahl der Christen sank zwischen 2010 und 2020 von rund 553,6 Millionen auf 505,1 Millionen. Ihr Bevölkerungsanteil ging von 74,6 % auf 67,1 % zurück.
Gleichzeitig nahm die Zahl der konfessionslosen Menschen deutlich zu. In Ländern wie Frankreich, dem Vereinigten Königreich und den Niederlanden hat sich die religiöse Zusammensetzung innerhalb eines Jahrzehnts spürbar verändert.
Für das Jahr 2026 gilt deshalb: Wer die Entwicklung des Christentums in Europa verstehen möchte, sollte nicht nur auf die absolute Zahl der Christen achten, sondern auch auf Altersstruktur, Kirchenaustritte, religiöse Selbstidentifikation und regionale Unterschiede.
Die verfügbaren Statistiken zeigen einen klaren Wandel, aber kein vollständiges Verschwinden des Christentums. Es bleibt ein bedeutender Bestandteil der europäischen Geschichte, Kultur und Gesellschaft, während sich seine Rolle im Leben vieler Menschen verändert.