Der Jakobsweg gehört zu den bekanntesten Pilgerwegen Europas. Jedes Jahr machen sich Hunderttausende Menschen auf den Weg nach Santiago de Compostela in Galicien. Neben dem klassischen Ziel Santiago gewinnt auch die Verlängerung nach Finisterre und Muxía zunehmend an Bedeutung.
Die offiziellen Zahlen zeigen, dass die Pilgerbewegung in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen ist. 2025 wurden in Santiago de Compostela mit 530.987 ausgestellten Compostelas so viele Pilgerinnen und Pilger registriert wie nie zuvor. Auch 2026 setzt sich die hohe Nachfrage fort. Bis Ende August wurden bereits 395.963 Compostelas ausgegeben. Das waren rund 6 Prozent mehr als im entsprechenden Zeitraum 2025.
Santiago de Compostela: Pilgerzahlen im Überblick
Die Compostela ist die offizielle Pilgerurkunde der Kathedrale von Santiago. Die Statistik der Pilgerbüros ist deshalb der wichtigste Referenzwert für die Entwicklung des Jakobswegs.
| Jahr | Pilger mit Compostela | Entwicklung zum Vorjahr |
|---|---|---|
| 2019 | rund 347.000 | – |
| 2020 | stark eingebrochen | Pandemie |
| 2021 | rund 179.000 | Erholung |
| 2022 | rund 438.000 | deutlicher Anstieg |
| 2023 | rund 446.000 | leichter Anstieg |
| 2024 | 499.241 | +11,9 % |
| 2025 | 530.987 | +6,4 % |
| 2026, Januar–August | 395.963 | +6 % gegenüber Jan.–Aug. 2025 |
Die Werte bis 2025 stammen aus den offiziellen Pilgerstatistiken beziehungsweise deren dokumentierten Jahresauswertungen. Für 2026 handelt es sich um einen Zwischenstand und nicht um eine abgeschlossene Jahresstatistik.
2025 war ein Rekordjahr
Das Jahr 2025 stellte einen neuen Höchststand auf. Insgesamt erhielten 530.987 Menschen in Santiago die Compostela. Damit wurde der bisherige Rekord von 2024 mit 499.241 Pilgern deutlich übertroffen.
Von den 2025 registrierten Pilgern waren rund 53,45 Prozent Frauen. Rund 57 Prozent kamen aus dem Ausland. Der internationale Charakter des Jakobswegs ist damit weiterhin sehr ausgeprägt.
Besonders stark war weiterhin der Camino Francés. 2025 wurden diesem Weg rund 242.040 Pilger zugeordnet. Das entsprach etwa 45,6 Prozent der gesamten registrierten Pilgerschaft.
Die wichtigsten Jakobswege 2025
| Jakobsweg | Pilger 2025 | Anteil |
|---|---|---|
| Camino Francés | 242.040 | 45,6 % |
| Camino Portugués Central | 100.815 | 19,0 % |
| Camino Portugués de la Costa | 89.512 | 16,9 % |
| Camino Inglés | 30.205 | 5,7 % |
| Camino Primitivo | 27.873 | 5,3 % |
| Camino del Norte | 21.521 | 4,1 % |
| Vía de la Plata | 8.838 | 1,7 % |
| Camino de Invierno | 2.759 | 0,5 % |
| Muxía-Fisterra | 2.382 | 0,4 % |
Die Prozentwerte beziehen sich auf den Statistikstand der Pilgerbüro-Datenbank. Bei laufenden statistischen Aktualisierungen können sich einzelne Zahlen nachträglich geringfügig verändern.
Camino Francés bleibt der wichtigste Jakobsweg
Der französische Weg ist weiterhin die meistgenutzte Route nach Santiago. 2025 entfielen mehr als 242.000 registrierte Pilger auf den Camino Francés.
Auf Platz zwei folgte der zentrale portugiesische Jakobsweg mit rund 100.800 Pilgern. Zusammen mit dem portugiesischen Küstenweg kamen damit fast 190.000 Pilger über portugiesische Routen nach Santiago.
Die Statistik zeigt gleichzeitig, dass sich das Interesse zunehmend auf unterschiedliche Jakobswege verteilt. Neben dem klassischen Camino Francés haben insbesondere portugiesische Routen eine große Bedeutung.
Pilgerzahlen 2026: Wie entwickelt sich das Jahr?
Auch 2026 liegt die Zahl der Pilger bislang über dem Vorjahresniveau.
Von Januar bis einschließlich August 2026 wurden 395.963 Compostelas ausgestellt. Im gleichen Zeitraum des Jahres 2025 waren es 372.051. Das entspricht einem Zuwachs von rund 6 Prozent.
Allein im August 2026 wurden 84.861 Pilger registriert. Damit war der August einer der stärksten Monate der gesamten Statistik.
Für eine Jahreszahl 2026 ist allerdings noch zu früh. Die endgültige Bilanz kann erst nach Ablauf des Jahres erstellt werden.
Finisterre und Muxía: Pilgern über Santiago hinaus
Für viele Pilger endet der Weg nicht in Santiago. Nach der Ankunft an der Kathedrale führt eine weitere Route in Richtung Atlantikküste nach Finisterre und Muxía.
Historisch galt Finisterre als das „Ende der Welt“. Heute ist die Strecke vor allem als spirituelle und landschaftlich reizvolle Verlängerung des Jakobswegs bekannt.
Die offizielle Statistik weist für die Route Muxía-Fisterra 2025 rund 2.382 Pilger aus. Dieser Wert bildet allerdings nicht die tatsächliche Zahl aller Menschen ab, die von Santiago aus zur Küste weiterwandern.
Der Grund: Nicht jeder Wanderer beantragt beziehungsweise erhält eine Compostela für diese Route, und die Erfassungssysteme für den Küstenabschnitt unterscheiden sich von der Santiago-Statistik.
Deutlich mehr Menschen erreichen Finisterre und Muxía
Eine zusätzliche Messung der galicischen Regionalregierung liefert deshalb interessante Informationen.
Die Xunta de Galicia installierte Sensoren entlang des Camino Fisterra-Muxía, um erstmals systematisch die Bewegungen von Pilgern zwischen Santiago und der Atlantikküste zu erfassen.
Zwischen dem 1. August und dem 21. September 2025 wurden nach Angaben der Xunta mehr als 23.000 Pilger registriert, die nach dem Erhalt der Compostela ihre Wanderung nach Fisterra oder Muxía fortsetzten. Zeitweise wurden bis zu 400 Pilger pro Tag an einem der beiden Ziele registriert.
Damit wird deutlich, warum die Zahl von 2.382 Pilgern in der Santiago-Routenstatistik nicht mit der tatsächlichen Zahl aller Menschen gleichgesetzt werden sollte, die den Weg bis zur galicischen Atlantikküste fortsetzen.
Santiago und Finisterre im Vergleich
| Kennzahl | Santiago | Finisterre/Muxía |
|---|---|---|
| Registrierte Pilger 2025 | 530.987 | über 23.000 im Zeitraum 1.8.–21.9. laut Sensoren |
| Statistikart | Compostela-Ausgabe | Bewegungssensoren auf der Küstenroute |
| Ganzjahreswert verfügbar | Ja | nicht in gleicher Form |
| Ziel | Kathedrale Santiago | Atlantikküste |
| Typischer Verlauf | Ziel zahlreicher Jakobswege | Verlängerung nach Santiago |
| Datenlage 2026 | laufende Monatsstatistik | keine vergleichbare vollständige Jahresstatistik |
Die beiden Zahlen sind nicht direkt miteinander vergleichbar, weil unterschiedliche Erfassungsmethoden verwendet werden. Die Santiago-Zahl basiert auf ausgestellten Compostelas, während die Küstenzahl auf automatisierter Bewegungserfassung beruht.
Warum die Finisterre-Zahlen schwieriger zu erfassen sind
Bei Santiago gibt es einen zentralen Anlaufpunkt: die Pilgerempfangsstelle. Wer die Compostela erhalten möchte, wird dort statistisch erfasst.
Auf dem Weg nach Finisterre und Muxía existiert dagegen kein vergleichbarer zentraler Erfassungspunkt für alle Wanderer. Pilger können unterschiedliche Etappen wählen und die Route an verschiedenen Stellen beginnen oder beenden.
Deshalb sind Sensoren, Besucherzählungen und lokale Statistiken wichtige Ergänzungen.
Die 2025 von der Xunta vorgestellten Sensoren stellen hierbei einen interessanten Schritt dar, weil sie erstmals kontinuierlichere Daten über den tatsächlichen Pilgerfluss in Richtung Atlantikküste ermöglichen.
Saisonale Entwicklung des Jakobswegs
Der Jakobsweg ist stark saisonal geprägt. Besonders viele Pilger sind traditionell in den wärmeren Monaten unterwegs.
Die aktuellen Zahlen deuten allerdings auf eine gewisse Verteilung der Nachfrage über mehrere Monate hin. Im Jahr 2026 wurden beispielsweise bereits im Mai und Juni hohe Monatswerte erreicht. Eine Meldung der spanischen Jakobusweg-Föderation nennt für Mai 80.047 und für Juni 79.401 ausgestellte Compostelas.
Für Reisende bedeutet diese Entwicklung, dass nicht nur der Hochsommer stark frequentiert sein kann. Auch Mai, Juni, September und Oktober spielen inzwischen eine wichtige Rolle.
Entwicklung der Pilgerzahlen in Deutschland und Europa
Der Jakobsweg ist längst ein internationales Phänomen. 2025 kamen rund 57 Prozent der registrierten Pilger in Santiago aus dem Ausland.
Damit lässt sich die Entwicklung nicht ausschließlich über die spanische oder galicische Bevölkerung erklären. Internationale Wanderer stellen einen erheblichen Teil der Nachfrage.
Für Deutschland existiert allerdings keine vergleichbare zentrale Statistik darüber, wie viele Menschen jährlich von Deutschland aus einen Jakobsweg beginnen. Pilger können außerdem mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln nach Frankreich, Spanien oder Portugal reisen und dort ihre eigentliche Pilgerwanderung starten.
Jakobsweg Statistik 2026: Die wichtigsten Erkenntnisse
Die Zahlen zeigen mehrere Entwicklungen:
- Santiago verzeichnet weiterhin sehr hohe Pilgerzahlen. 2025 wurde mit 530.987 Compostelas ein neuer Höchststand erreicht.
- 2026 liegt bislang über dem Vorjahresniveau. Bis Ende August wurden 395.963 Compostelas ausgegeben, etwa 6 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2025.
- Der Camino Francés bleibt die meistgenutzte Route. 2025 entfielen rund 45,6 Prozent der registrierten Pilger auf diesen Weg.
- Portugiesische Routen haben eine große Bedeutung. Der zentrale portugiesische Weg und die Küstenroute kamen zusammen auf fast 190.000 registrierte Pilger.
- Finisterre und Muxía gewinnen als Verlängerung an Bedeutung. Sensoren erfassten im August und September 2025 mehr als 23.000 Pilger auf dem Weg von Santiago zur Atlantikküste.
- Die Zahlen für Santiago und Finisterre sind methodisch nicht direkt vergleichbar. Compostela-Ausgaben und Sensordaten erfassen unterschiedliche Gruppen.
Fazit: Pilgern und Jakobswege Statistik 2026
Der Jakobsweg erlebt weiterhin eine hohe Nachfrage. Nach dem Rekordjahr 2025 mit mehr als 530.000 ausgestellten Compostelas zeichnet sich auch 2026 eine sehr hohe Pilgerzahl ab. Bis Ende August lag die Zahl der ausgestellten Compostelas rund 6 Prozent über dem Vorjahreszeitraum.
Der Camino Francés bleibt die am stärksten frequentierte Route, während die portugiesischen Jakobswege ebenfalls einen erheblichen Anteil der Pilger aufnehmen. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung rund um Finisterre und Muxía, dass ein Teil der Pilger die Wanderung nach Santiago noch bis zur Atlantikküste fortsetzt.
Für die Statistik 2026 ist daher zwischen registrierten Santiago-Pilgern, Pilgern auf einzelnen Jakobswegen und Wanderern auf der Verlängerung nach Finisterre/Muxía zu unterscheiden. Erst die endgültigen Jahresdaten werden zeigen, wie hoch die Gesamtzahl der Pilger 2026 tatsächlich ausfällt.
Quellen
- Oficina de Acogida al Peregrino – Offizielle Pilgerstatistik Santiago de Compostela
- Santiago de Compostela – aktuelle Pilgerstatistik und Jahresvergleich
- Xunta de Galicia – Pilgerzahlen auf dem Camino Fisterra-Muxía
- Federación Española de Asociaciones de Amigos del Camino de Santiago – Pilgerstatistik 2026
- Federación Española de Asociaciones de Amigos del Camino de Santiago – saisonale Entwicklung 2026