Haben Elben immer spitze Ohren?

Das Bild des Elben mit den markanten, spitzen Ohren ist heute so fest in unserem kulturellen Gedächtnis verankert, dass wir uns diese Wesen kaum anders vorstellen können. Doch werfen wir einen Blick in die Literaturgeschichte und die Mythologie, stellen wir fest: Die spitzen Ohren sind eigentlich eine recht moderne Erfindung.

Tipp: ELBEN führen Dich in Deine wahre Größe – Online Kurs ansehen!

Hier ist die Auflösung, wie die Elben zu ihrem Markenzeichen kamen.


1. J.R.R. Tolkien: Das Rätsel der „blattähnlichen“ Ohren

Obwohl J.R.R. Tolkien das moderne Bild des Elben erschaffen hat, werden spitze Ohren in seinen Hauptwerken (Der Herr der Ringe, Der Hobbit, Das Silmarillion) nie explizit erwähnt. Er beschrieb Elben als groß, schön, mit hellen Augen und einer melodiösen Stimme – aber über die Ohren schwieg er sich in den Romanen aus.

Die Verbindung kam erst durch andere Quellen:

  • In seinen Briefen: In einem Entwurf für einen Brief an einen Illustrator erwähnte Tolkien einmal, dass die Ohren der Elben „quene-ish“ (nach der Sprache der Quenya) und blattähnlich (leaf-shaped) sowie leicht gespitzt seien.

  • Etymologie: In den Etymologies (einem sprachwissenschaftlichen Werk Tolkiens) gibt es eine Verbindung zwischen den Wörtern für „Lass“ (Blatt) und „Lasto“ (Hören). Dies deutet darauf hin, dass er sich die Ohren tatsächlich wie die Blätter von Bäumen vorstellte.

2. Die Mythologie: Schönheit statt Merkmale

In der altnordischen Mythologie (der ursprünglichen Quelle für Elben oder Alfar) werden keine physischen Deformierungen oder Besonderheiten wie spitze Ohren beschrieben.

  • Die Lichtalben wurden dort schlicht als „schöner als die Sonne“ bezeichnet.

  • Die Abgrenzung zum Menschen erfolgte eher durch ihre Aura, ihre magischen Fähigkeiten und ihren Wohnort in den göttlichen Sphären, nicht durch ihre Anatomie.

3. Der Weg in die Popkultur

Warum glauben wir also heute alle, dass sie spitze Ohren haben?

  • Die viktorianische Ära: In englischen Märchen des 19. Jahrhunderts wurden Elfen (oft als kleine geflügelte Wesen) häufig mit spitzen Ohren gezeichnet, um ihre Verwandtschaft zur Tierwelt und zur wilden Natur zu betonen.

  • Fantasy-Illustrationen: Künstler wie Pauline Baynes (die Tolkien illustrierte) oder später die Zeichner von Rollenspielen wie Dungeons & Dragons festigten das Bild.

  • Hollywood: Spätestens seit den Filmen von Peter Jackson gibt es kein Zurück mehr. Die Prothesen für Orlando Bloom (Legolas) und Cate Blanchett (Galadriel) machten die spitzen Ohren zum ultimativen Identifikationsmerkmal.


Warum haben sie diese Form überhaupt?

In der modernen Fantasy-Interpretation dienen die spitzen Ohren oft zwei Zwecken:

  1. Besseres Gehör: Es wird oft angedeutet, dass die Ohrenform dazu dient, Geräusche im Wald besser einzufangen.

  2. Abgrenzung zum Menschen: Es ist eine visuelle Abkürzung für den Zuschauer oder Leser, um sofort zu signalisieren: „Dieses Wesen sieht zwar menschlich aus, gehört aber einer anderen, älteren Rasse an.“


Zusammenfassung

Quelle Beschreibung der Ohren
Nordische Sagen Keine Erwähnung (Fokus auf Schönheit).
Tolkiens Romane Keine Erwähnung.
Tolkiens Notizen „Blattähnlich“ und leicht gespitzt.
Moderne Filme/Spiele Eindeutig spitz, teilweise sehr lang.

Fazit: Nein, Elben haben historisch gesehen nicht „immer“ spitze Ohren gehabt. Es ist ein biologisches Detail, das sich erst über die letzten 150 Jahre durch Illustrationen und Filme als Standard durchgesetzt hat.

Wusstest du, dass die Ohren in asiatischen Fantasy-Darstellungen (wie in Animes) oft extrem lang und waagerecht gezeichnet werden, um sie noch stärker von Menschen abzuheben? Soll ich dir mehr über diese unterschiedlichen Stilrichtungen erzählen?

Nach oben scrollen