Grabstätte Jesus von Nazareth

Die Frage nach der Grabstätte Jesu von Nazareth zählt zu den bedeutendsten und zugleich umstrittensten Themen der christlichen Archäologie, Theologie und Geschichtsforschung. Sie berührt nicht nur religiöse Überzeugungen, sondern auch historische und archäologische Fragestellungen.

1. Biblische Überlieferung

Nach den Evangelien wurde Jesus nach seiner Kreuzigung im Jahr 30 oder 33 n. Chr. in einem Felsengrab beigesetzt, das Josef von Arimathäa gehörte (Mk 15,43–46; Mt 27,57–60; Lk 23,50–53; Joh 19,38–42). Dieses Grab soll sich in der Nähe des Hinrichtungsortes Golgatha befunden haben. Die Evangelien berichten zudem von der Entdeckung des leeren Grabes am dritten Tag, was im christlichen Glauben als Zeichen der Auferstehung gilt.

2. Der Standort der Grabstätte – Zwei Haupttraditionen

a) Grabeskirche in Jerusalem

Die Grabeskirche (Church of the Holy Sepulchre) in der Jerusalemer Altstadt gilt seit dem 4. Jahrhundert als traditioneller Ort von Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung Jesu. Kaiser Konstantins Mutter Helena identifizierte diesen Platz um 326 n. Chr. als Golgatha und ließ eine Basilika errichten. Archäologisch konnte nachgewiesen werden, dass sich hier im 1. Jahrhundert außerhalb der damaligen Stadtmauer ein Steinbruch mit Grabhöhlen befand – im Einklang mit den Evangelien.

b) Gartengrab

Ende des 19. Jahrhunderts wurde das sogenannte Gartengrab nördlich der Altstadt als alternative Grabstätte populär. Befürworter argumentieren, dass es landschaftlich besser zu den biblischen Beschreibungen passe („Garten“ in der Nähe von Golgatha). Archäologische Untersuchungen datieren dieses Grab jedoch in die Zeit vor der Zerstörung Jerusalems im 6. Jahrhundert v. Chr., was es als Jesu Grab unwahrscheinlich macht.

3. Archäologische und historische Aspekte

  • Topographische Übereinstimmung: Die Grabeskirche liegt an einem Ort, der zur Zeit Jesu tatsächlich außerhalb der Stadtmauer lag (heute jedoch innerhalb).
  • Erhaltung: Innerhalb der Grabeskirche befindet sich die Ädikula, eine Kapelle, die das als Jesu Grab verehrte Felsengrab umschließt. 2016 wurde es erstmals seit Jahrhunderten geöffnet und untersucht. Forscher bestätigten, dass sich unter den späteren Bauschichten eine antike Felsstruktur befindet.
  • Skepsis: Historiker verweisen darauf, dass die Identifizierung im 4. Jahrhundert auf mündlicher Überlieferung beruhte, die bereits 300 Jahre nach den Ereignissen entstand.

4. Bedeutung für Glauben und Forschung

Für gläubige Christen ist die genaue geografische Identität der Grabstätte weniger entscheidend als die Glaubensbotschaft der Auferstehung. Für Archäologen und Historiker jedoch ist die Suche nach dem tatsächlichen Ort eine spannende Verbindung aus Textkritik, Topographie und Materialforschung.

5. Fazit

Die Mehrheit der Wissenschaftler hält die Grabeskirche in Jerusalem aufgrund der historischen Kontinuität und archäologischen Befunde für den wahrscheinlichsten Standort der Grabstätte Jesu von Nazareth. Dennoch bleibt ein Rest an Unsicherheit – und genau diese Mischung aus Glauben, Geschichte und Wissenschaft macht das Thema bis heute so faszinierend.


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