Über Geistliche Begleitung

Foto: João Batista Gonçalves Lostada - CC BY-SA 4.0

 

„Willst Du mit mir gehn?“ So hat vor langen Jahren Daliah Lavi gesungen. Ich meine hier aber etwas Spezielles. Ja, auch Freundschaft, ja, auch miteinander einen Weg gehen, Licht und Schatten verstehen, vieles und sehr Wesentliches miteinander teilen, einander auf dem Weg beistehen, aufeinander achten. Alles das ja. Aber keine Liebesgeschichte sondern das, was man geistliche Gefährtenschaft und geistliche Begleitung nennt.

Sie hat ihren Ursprung bei Jesus. Er lädt Jünger und Jüngerinnen ein, mit ihm zu gehen. Und dieses miteinander gehen wird zu einem Lehrstück des Lebens. Die Jünger lernen von Jesus, aber nicht nur wie bei den Schriftgelehrten das rechte Verständnis der Schrift – das auch – sie teilen darüber hinaus das Leben, den Lebensstil und die Lebenswerte Jesu. Das ist viel tiefer und viel weiter, viel herausfordernder.

Und Jesus sendet seine Jünger aus. Und zwar immer zu zweit. Wenn man die Apostelliste liest, dann sind sie dort immer als Paare genannt, vgl. Lk 6,13-16. Da unterwegs üben sie ein und geben sie schon weiter, was sie gelernt und erfahren haben. Sie begleiten einander, stehen einander bei, achten aufeinander, unterstützen sich gegenseitig. Erster und kleinster Vollzug dessen, was dann Kirche sein wird: Miteinander gehen, einander begleiten. Und dessen, was wir geistliche Begleitung nennen.

Später dann sind junge Menschen hinaus in die Wüste gepilgert und haben den Rat und die Begleitung durch die Wüstenväter gesucht, durch jemanden, der Erfahrung auf dem Weg hatte, der selbst schon durch Wüste und Trockenheit gegangen war und der hilft, solche Zeiten zu bestehen. Von daher kommt etwas, das die geistliche Begleitung kennzeichnet. Es ist zwar eine freundschaftliche Beziehung auf Augenhöhe, aber sie ist nicht symmetrisch. Der geistliche Begleiter ist wie der Bergführer. Er hat Erfahrung. Er hat dem Begleiteten etwas voraus. Darum vertraue ich mich ihm ja an. Er kann dem Begleiteten das selber Gehen nicht abnehmen, nein das nicht. Aber meist ist er die Wege schon selbst gegangen und kann sagen: Hier pass auf. Da ist es rutschig!

Daraus erwachsen auch Gefahren. Der Begleiter kann versucht sein, dem Begleiteten die Schritte abzunehmen, ihm die eigene Freiheit zu nehmen. Oder sich selbst gar mit dem eigentlichen Bergführer, nämlich Christus zu verwechseln. Dann führt er nicht mehr den Weg Christi, sondern auf Abwege. Das kann bis hin zu geistlichem Missbrauch gehen. Hier müssen beide aufpassen. Begleiter und Begleiteter. Maßstab ist und bleibt der Weg Christi, seine Wahrheit, seine Freiheit, seine Zentriertheit auf Gottes Willen gegen alles Extreme.

Kriterien für den richtigen Weg und die rechte Begleitung sind darum: dass es auf Dauer aufwärts und vorwärts geht, dass ich Christus und dem Glauben näher komme, dass die Freiheit wächst, dass die Freude wächst, dass ich mich selbst besser verstehe und annehmen kann, also dass die Wahrheit sich vertieft, dass ich nicht ins Extreme, sondern in die Mitte komme. Wenn ich immer trauriger und verwirrter, extremer und unfreier werde, dann stimmt etwas nicht mit der Wegbegleitung.

Geistliche Begleitung ist ein großer Segen und ein großes Geschenk. Das habe ich selbst oftmals auf meinem Weg erfahren und bin meinen Begleiterinnen und Begleitern von Herzen dankbar. Und Sie, liebe Leserin, lieber Leser können sich auch hier auf „update-seele.de“ begleiten lassen.

Es grüßt Sie herzlich und wünscht Ihnen herzliche Osterfreude

Thomas Gertler SJ

23. April 2019

Eine der schönsten Geschichten über geistliche Begleitung ist die Emmausgeschichte (Lk 24,13 ff). Christus geht mit den beiden Jüngern. Einer heißt Kleopas. Der andere könnte ich sein. Erster Punkt: Jesus, der geistliche Begleiter, will wissen, wie es den beiden geht. Zweiter Punkt: Er zeigt ihnen, wie das alles gekommen ist und öffnet ihnen den Sinn von allem und den Sinn der Schrift. Dabei brennt ihnen das Herz. Die Augen gehen ihnen auf und sie erkennen Jesus. Dritter Punkt: Sie kehren um und bezeugen Jesus als Auferstandenen.

Trier, St. Bonifatius – Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden.
Foto: Berthold Werner - CC BY-SA 3.0

 

Lukas 24,13 - 35

24,13 Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tage in ein Dorf, das war von Jerusalem etwa sechzig Stadien entfernt; dessen Name ist Emmaus. 14 Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten. 15 Und es geschah, als sie so redeten und einander fragten, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen. 16 Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten. 17 Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen. 18 Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der Einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist? 19 Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Tat und Wort vor Gott und allem Volk; 20 wie ihn unsre Hohenpriester und Oberen zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt haben. 21 Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde. Und über das alles ist heute der dritte Tag, dass dies geschehen ist. 22 Auch haben uns erschreckt einige Frauen aus unserer Mitte, die sind früh bei dem Grab gewesen, 23 haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebe. 24 Und einige von denen, die mit uns waren, gingen hin zum Grab und fanden's so, wie die Frauen sagten; aber ihn sahen sie nicht.

25 Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben! 26 Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? 27 Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in allen Schriften von ihm gesagt war. 28 Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen. Und er stellte sich, als wollte er weitergehen. 29 Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben. 30 Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach's und gab's ihnen.

31 Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen. 32 Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete? 33 Und sie standen auf zu derselben Stunde, kehrten zurück nach Jerusalem und fanden die Elf versammelt und die bei ihnen waren; 34 die sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und dem Simon erschienen. 35 Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war und wie er von ihnen erkannt wurde, da er das Brot brach.