Hoffnung

Foto: Eclipse - CC BY-SA 3.0

Hoffnung ist die adventliche Tugend und Haltung. Ja, das ist klar, aber wie soll sie denn möglich sein angesichts aller schlimmen Nachrichten und Aussichten? Da machen sich doch eher Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung breit. Und es ist auch kaum Aussicht auf Wandlung, auf Einsicht und Umkehr vorhanden. Sei es beim Krieg in der Ukraine oder beim Krieg im Gazastreifen. Sei es bei den Verhandlungen über das Klima. Sei es bei den vielen, so wichtigen Kompromissen in unserer deutschen Politik. Immer werden die Umkehr und Einsicht der anderen gefordert. Selbst bin ich aber immer auf dem einzig richtigen Weg.

Mehrfach bin ich jetzt auf ein Wort von Vaclav Havel gestoßen, das uns zu denken gibt und das uns Hoffnung macht in solch schwierigen Zeiten. Es lautet: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“ Das ist verblüffend, weil ja für uns die Hoffnung genau mit der Zukunft zu tun hat und wir selbstverständlich hoffen, dass etwas gut ausgeht.

Aber damit etwas gut ausgeht, muss es etwas haben, das gut ist, das in sich sinnvoll ist, weil alles Böse auf die Dauer immer und notwendig schlecht ausgeht. Warum? Das Böse oder Sinnlose führt immer in das Nichts und ins Aus. Das Böse nichtet und vernichtet immer über kurz oder lang. Leider so oft über lang. Und oft scheint es erst einmal Erfolg zu haben und zu siegen. Aber es findet mit Sicherheit sein Ende. Schon das ist eine hoffnungsvolle Botschaft. Das Böse endet und arbeitet für sein Ende und sein Scheitern. Darauf können Sie sich verlassen.

Das Sinnvolle bleibt sinnvoll und gut, auch wenn es ungewiss ist, ob es hier und jetzt zum Erfolg führt. Es bleibt für immer sinnvoll und das heißt, es ragt über die Zeit hinaus. Es bleibt sinnvoll und gut, dass ich meine Mutter pflege und für sie sorge, auch wenn sie von mir geht. Dass ich ihr Gutes getan habe, bleibt sinnvoll und besteht, auch wenn sie stirbt. Und Hoffnung ist gerade diese Gewissheit, dass es gut und sinnvoll bleibt, und zwar für immer.

Darum stehen die Sterne für diese Hoffnung, die bleibt. Weil die Sterne über mir stehen und mir Orientierung geben in ihrer Treue, in ihrer Beständigkeit, in ihrem Bleiben. Darum trösten die Sterne. Wie der Blick auf das Bild oben vom „Großen Wagen“, den man leicht am Himmel findet. Früher haben die Menschen viel intensiver mit den Sternen gelebt und nach den Sternen geschaut. Das galt nicht nur für die Seeleute, für die die Sterne Orientierung gaben. Das galt auch für die Landwirte für die Zeiten von Aussaat und Ernte. Die ältesten Bauwerke der Menschheit haben mit dieser Sternenkunde und der daraus folgenden Zeitbestimmung zu tun. Ich denke nur an Stonehenge in England.

Sterne trösten. So war es für meinen Ordensgründer den heiligen Ignatius von Loyola. So sagt es uns Immanuel Kant: „Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir.“

Die Sterne sind Zeichen der Hoffnung und für die Hoffnung. Sie geben Zeugnis von Gottes Treue, von Gottes Bleiben. Seine Güte bleibt. Sein Leben nach Ihm auszurichten ist sinnvoll, auch wenn es in Bedrängnisse und Schwierigkeiten führt, wenn es schwer ist. So schreibt schon Paulus im Brief an die Römer. Das lesen wir gleich weiter unten. Wir schauen nochmal auf den Stern und die Sterne. Sie begegnen besonders im Advent in unendlich vielen Formen und Größen und sie haben es natürlich auch mit dem Stern von Bethlehem zu tun, dem die Sterndeuter aus dem Osten folgen und zu Jesus finden. Haben Sie einen Lieblingsstern? Hängen Sie Sterne auf in Ihrer Wohnung? Stellen Sie welche ans Fenster? Haben Sie Sterne wie den Hoffnungssatz von Vaclav Havel: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“

Es grüßt Sie herzlich
Thomas Gertler SJ

13. Dezember 2023

Den leuchtenden Stern haben Freunde aus dem kleinen Ort Gragetopshof in der Nähe von Rostock aufgehängt. Er erfreut das Auge und macht Hoffnung, dass das Licht über die Finsternis siegt. So wie für Paulus im Römerbrief Christus das Licht der Hoffnung in allen Bedrängnissen ist.

Foto: Gesine Nissen

Brief an die Römer 5,1 - 5

5,1 Gerecht gemacht also aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn. 2 Durch ihn haben wir auch im Glauben den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes. 3 Mehr noch, wir rühmen uns ebenso der Bedrängnisse; denn wir wissen: Bedrängnis bewirkt Geduld, 4 Geduld aber Bewährung, Bewährung Hoffnung. 5 Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.