Führungsfiguren

Foto: AMPELMANN GmbH - CC BY-SA 4.0

Wenn Sie zu sagen hätten – welche Figur würden Sie für die Fußgängerampeln in Ihrem Wohnort wählen?  - Als 1989 die innerdeutsche Mauer fiel, erfreute sich plötzlich das schwungvolle Ost-Ampelmännchen bundesweiter Beliebtheit, wurde gar zur Kultfigur. Mittlerweile warten und starten die Fußgänger etwa in Trier mit Karl Marx oder in Friedberg mit Elvis Presley. In Worms am Lutherring stehen und gehen sie mit dem Reformator. Otto Walkes hat es in Emden zur Ehre der Ampeln geschafft, so wie die Mainzelmännchen, ja natürlich, in Mainz.

Ampelfiguren als originelle Identitätsstifter, die den Verkehr regeln und schmunzeln lassen! Ernster wird es aber bei den realen Führungsfiguren - vom kleinsten Dorf über den Staat bis hin zur EU und zum Globus. Wer darf, muss, kann führen? Wer besser nicht? Wer bestimmt das Go oder No-Go?

Mein innerer Schweinehund, Bonn - Jens Galschiot, 1933
Foto: Norbert Schnitzler - CC BY-SA 3.0

„Wer lenkt Sie eigentlich?“, mit diesem Slogan hat um die Jahrtausendwende ein deutscher Autohersteller geworben. – Eine prima Reflexionsfrage für einen ignatianischen Kurs, in dem es um die „Unterscheidung der Geister“ im Alltag ging. Den Teilnehmenden wurde bald bewusst, von was oder wem sie alles „gelenkt“ werden und dass „Führungsfiguren“ uns nicht nur von außen umgeben; wir tragen sie, eher unbewusst, auch in uns. Wer kennt sie nicht, diese inneren Antreiber oder Mahner, dieses innere bedürftige Kind, diesen inneren Schweinehund usw. Ja, sie alle können manchmal ziemlich (ver-)führerisch auftreten, wenn es um eine Motivationsklärung, um eine Entscheidung oder um das Ordnen des persönlichen Lebens geht: „Worauf kommt es mir im Leben an? Was oder wer ist mir Richtschur? Wofür brennt mein Herz? Wo habe ich blinde Flecken? Was ist Gott für mein Leben wichtig?“

 

 

Ignatius verfasst die Exerzitien, Sacred Heart, Wimbledon - Albert Chevallier Tayler, 1908
Foto: Jesuit Institute

Ignatius von Loyola (1491 – 1556), dessen Todestag wir am 31. Juli feiern, hat am Beginn seines Bekehrungsweges einmal seinen Esel darüber entscheiden lassen, welchen Weg er an einer Gabelung weitergehen soll. Erst als der Pilger mehr und mehr „in die Schule Gottes“ ging, lernte er, besseren Führungsfiguren zu vertrauen als seinem Maultier, am besten aber dem Heiligen Geist und dem Willen Gottes.

Gottes Wille ist aber weder damals noch bis heute irgendjemandem einfach in Grün oder Rot aufgeleuchtet.  Dennoch mag dies als Verkehrsregel hilfreich sein: „Das tun und wählen, wobei ich dauerhaft und wahrhaft tiefgreifende Freude und Frieden empfinde und wo sich die Früchte des Geistes Gottes mehren“ (GCL-Grundkurs). Dabei dürfen wir gewiss sein, dass Gott das für uns Beste will!

 

Wie aber können wir das erkennen, dieses für uns je Bessere und Beste? Die Früchte des Geistes Gottes? – Die Exerzitien des Ignatius lehren uns, dass an diesem Suchen der ganze Mensch beteiligt sein soll, sozusagen mit KOPF, HERZ und BAUCH. So braucht es zum guten Wahrnehmen und Unterscheiden nach W. Lambert SJ:

  • die gläubig-intuitive Herzmitte,
  • das sorgsam-spürsame Abwägen innerer Bewegungen (Motive; Pro und Contra),
  • die ruhige Überlegung der Vernunft aufgrund von Fakten, Argumenten  und Erfahrungen.

Als exemplarische Kopf-, Herz- und Bauch-Typen möchte ich Ihnen aus den Evangelien die wohlbekannten Maria Magdalena, Thomas und Petrus vor Augen stellen: Magdalena (für das Herz), eher emotional, einfühlsam, vermittelnd; Thomas (für den Kopf) eher rational, verstehen wollend; Petrus (für den Bauch), eher impulsiv und spontan.

Magdalena uns Jesus am Ostermorgen

Thomas und Jesus nach der Auferstehung

Petrus und Jesus auf dem Wasser

Wohl gibt es sie niemals in Reinform, diese drei „Typen“. Aber jede/r von uns hat da so einen „Spitzenkandidaten“ in sich, der sich immer am lautesten regt und das erste Wort haben muss, Herz, Hirn oder Bauch. Na, können Sie sich spontan zuordnen? - Die Kunst ist es, sie alle drei - wie in einem Kolloquium - zu Wort kommen zu lassen und zu befragen. „Die Sehnsucht, Kopf und Gefühl, Herz und Bauch, Sinne und Verstand immer besser in ein Ganzes zu ‚integrieren‘, tragen wir in uns.“ (S. Kiechle SJ)

Niemand braucht einen Esel über sein Leben entscheiden zu lassen. „Traut nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind. “ (1 Joh 4,1) - Vielleicht macht die Ferien- und Urlaubszeit Ihnen Lust, mit einer persönlichen (Entscheidungs-)Frage einmal in ein „Kolloquium“ mit Magdalena, Petrus und Thomas oder anderen zu gehen? Denn es kann hilfreich sein, einmal die Perspektive zu wechseln und andere mit d‘rauf schauen zu lassen. Auch eine geistliche Begleitung oder ein Gespräch mit einem Freund / einer Freundin kann dabei hilfreich sein, um sich tiefer klar zu werden, „was ich wünsche und ersehne“ (Exerzitienbuch 48).

An dieser Stelle wünsche ich Ihnen, besonders auch im Namen von P. Thomas Gertler SJ, erholsame und frohe Sommer- und Ferienwochen! Auch Update-Seele macht für drei Wochen Pause, bevor wir uns wieder bei Ihnen melden. Bis dahin alles Gute, und bleiben Sie unserer Seite gewogen!

Marlies Fricke (GCL)

24. Juli 2019

 

Für die Verführer zum Bösen verwendet Jesus Bilder von menschlichen Körperteilen. Für die Zuhörer grausam anzuhören,  aber es zeigt, wie nah und selbstverständlich doch schlechte Führer mitten unter uns oder in uns sind. Ein biblisches No-Go!

Foto: Marlies Fricke

Markus 9,41-48

41 Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört - Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen. 42 Wer einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde. 43 Wenn dir deine Hand Ärgernis gibt, dann hau sie ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das nie erlöschende Feuer. (44) 45 Und wenn dir dein Fuß Ärgernis gibt, dann hau ihn ab; es ist besser für dich, lahm in das Leben zu gelangen, als mit zwei Füßen in die Hölle geworfen zu werden. (46) 47 Und wenn dir dein Auge Ärgernis gibt, dann reiß es aus; es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes zu kommen, als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden, 48 wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.