Frei sein

Foto: Katharina Penits

Sicherlich kennen Sie das Lied von Reinhard Mey:

Über den Wolken
Muss die Freiheit wohl grenzenlos sein
Alle Ängste, alle Sorgen
Sagt man
Blieben darunter verborgen
Und dann
Würde was uns groß und wichtig erscheint
Plötzlich nichtig und klein...

Kennen Sie dieses Gefühl über den Wolken?

Ja ich weiß, dass Fliegen schlecht ist für die Umwelt. Trotzdem liebe auch ich es einfach über den Wolken zu sein und mich frei zu fühlen und wie ein Vogel durch die Luft zu schweben. Fliegen, das habe ich schon als Kind geliebt. Meine beste Freundin, die Flugangst hat, konnte das noch nie verstehen. Aber Fliegen, das lässt mich frei werden, von allen Sorgen und Problemen, die auf einmal so klein erscheinen, die ich alle auf der Erde da unten zurücklassen kann. Im Himmel ist man frei. Und im Himmel fühle ich mich Gott nahe.

Und nicht nur Gott, auch meinen verstorbenen Verwandten fühle ich mich dort ein Stück näher. Vielleicht ist es ein naiver Kinderglaube, dass die Toten im Himmel bei Gott sind und von den Wolken auf uns hinab schauen und uns so weiter durchs Leben begleiten. Vielleicht ist es aber auch einfach ein tröstender Gedanke in einer Zeit der Trauer um einen lieben Menschen. Für mich hat dieser Gedanke, nach dem Tod im Himmel zu sein, und bei dem Blick hoch in den Himmel den Verstorbenen ein bisschen näher zu sein, etwas Erleichterndes und Befreiendes. Der Himmel ist für mich ein Symbol der Freiheit und Nähe zu Gott.

Daher macht für mich Fliegen frei. Frei, von den Sorgen und Problemen der Welt. Doch ich kann nicht ständig irgendwo hin fliegen, um mich frei zu fühlen und mal wieder richtig durchzuatmen. Das ist auf Dauer zu teuer, zeitintensiv und würde meinen ökologischen Fußabdruck immens vergrößern. Und Fliegen hilft nicht. Man landet irgendwann und die Probleme sind immer noch da, wenn man ankommt.

Daher habe ich dafür im Alltag eine andere Lösung: Beten. Auch Beten löst nicht alle Probleme, aber es trägt in den Alltag hinein. Beten kann man auch mal nur 5 Minuten lang, auch in einer stressigen Phase. Zudem ist Beten alltagstauglicher. Schließlich kann ich mir auch zuhause einen Ort der Ruhe verschaffen, zum Beispiel in einer kleinen Ecke, und dort mit Gott ins Gespräch kommen. Oder, eine heutzutage nicht mehr ganz so beliebte, aber immer noch gute Methode: Der sonntägliche Gottesdienstbesuch. Hier kann ich mich in der Gemeinschaft von anderen Glaubenden getragen wissen und Gott ganz nahe sein. Egal in welcher Lebenslage ich bin, beten geht immer. Gott ist immer da, egal ob Tag oder Nacht, ob über den Wolken, im Wasser oder an Land.

Wenn ich bete, fühle ich mich frei, wie beim Fliegen. Ich kann meine Sorgen und Probleme vor Gott bringen und sie ihm anvertrauen. Ich fühle mich befreit, weil ich weiß, dass Gott alles mitträgt, die schönen, aber auch die belastenden Dinge in meinem Leben. Manche Menschen gehen völlig befreit und ein wenig beflügelt aus der Beichte, weil sie ihre Lasten ablegen konnten. Anderen hilft es, zur Ruhe zu kommen in der Anbetung vor dem Allerheiligsten und dort ihre Sorgen vor Gott zu tragen.

Manchmal reicht es auch schon, einem guten Freund etwas Belastendes anzuvertrauen. Auch darin zeigt sich für mich Gottes Güte. Meine Freunde sind für mich ein Geschenk des Himmels. Mit ihnen kann ich lachen und weinen. Sie tragen mich durch schwere Zeiten und beflügeln mich in guten Zeiten. So kann ich mich auch zuhause im meinem Alltag so beflügelt und befreit fühlen wie über den Wolken, dank meiner Freunde und der Nähe zu Gott.

Eigentlich muss ich dann auch nicht mehr unbedingt über den Wolken sein, um mich frei zu fühlen, auch wenn das Lied von Reinhard Mey "Über den Wolken" etwas anderes sagt. Vielleicht ist hier aber auch das "über den Wolken" nur symbolisch zu verstehen. Denn im Gebet kann ich mich genauso frei fühlen, wie im Flugzeug über den Wolken, vielleicht sogar noch freier. Denn das Gebet ist nicht begrenzt, weder zeitlich noch auf ein bestimmtes finanzielles Klientel.

Dass das Vertrauen auf Gott und das Gebet befreien können, hat auch Jesus an vielen Stellen in der Bibel vorgelebt.

Diese Freiheit im Gebet wünsche ich nun auch Ihnen.

Viele Grüße
Ihre Katharina Penits

06. September 2017

 

 

Es ist das Gebet der Christen schlechthin: Das Vater Unser. Jesus selbst hat es zu seinem Vater im Himmel gebetet und uns so das Beten und auch das Vertrauen auf Gott gelehrt. Das Vater Unser vereint vieles in einem Gebet. Wir beten es in jedem Gottesdienst. Durch Jesu Tod und Auferstehung sind wir von den Süden befreit worden. Durch Beten werden wir jeden Tag aufs Neue frei.

 

Mt 6,8-13

8 Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet. 9 So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, / dein Name werde geheiligt, 10 dein Reich komme, / dein Wille geschehe / wie im Himmel, so auf der Erde. 11 Gib uns heute das Brot, das wir brauchen. 12 Und erlass uns unsere Schulden, / wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben. 13 Und führe uns nicht in Versuchung, / sondern rette uns vor dem Bösen.