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Der König Salomo gilt als der weiseste König in Israel. Vor allem die folgende Geschichte hat ihn berühmt gemacht und seine Urteile sprichwörtlich werden lassen als „salomonisch“. Auch Salomo verlässt das Problemquadrat. Sein zuerst ganz grausames Urteil löst das unlösbare Problemquadrat und macht die Wahrheit, die sich nicht finden ließ, offenbar. Auch bei Jesus finden wir oft solche verblüffenden, über das Erwartbare hinaus denkenden Lösungen, zum Beispiel bei der Frage nach der Steuer (Mk 12,13-17).

© Foto: User:Fb78 - CC BY-SA 2.0 DE

1 Könige 3,16 - 28

3,16 Damals kamen zwei Dirnen und traten vor den König. 17 Die eine sagte: Bitte, Herr, ich und diese Frau wohnen im gleichen Haus, und ich habe dort in ihrem Beisein geboren. 18 Am dritten Tag nach meiner Niederkunft gebar auch diese Frau. Wir waren beisammen; kein Fremder war bei uns im Haus, nur wir beide waren dort. 19 Nun starb der Sohn dieser Frau während der Nacht; denn sie hatte ihn im Schlaf erdrückt. 20 Sie stand mitten in der Nacht auf, nahm mir mein Kind weg, während deine Magd schlief, und legte es an ihre Seite. Ihr totes Kind aber legte sie an meine Seite. 21 Als ich am Morgen aufstand, um mein Kind zu stillen, war es tot. Als ich es aber am Morgen genau ansah, war es nicht mein Kind, das ich geboren hatte. 22 Da rief die andere Frau: Nein, mein Kind lebt und dein Kind ist tot. Doch die erste entgegnete: Nein, dein Kind ist tot und mein Kind lebt. So stritten sie vor dem König.23 Da begann der König: Diese sagt: Mein Kind lebt und dein Kind ist tot! und jene sagt: Nein, dein Kind ist tot und mein Kind lebt. 24 Und der König fuhr fort: Holt mir ein Schwert! Man brachte es vor den König. 25 Nun entschied er: Schneidet das lebende Kind entzwei und gebt eine Hälfte der einen und eine Hälfte der anderen! 26 Doch nun bat die Mutter des lebenden Kindes den König - es regte sich nämlich in ihr die mütterliche Liebe zu ihrem Kind: Bitte, Herr, gebt ihr das lebende Kind und tötet es nicht! Doch die andere rief: Es soll weder mir noch dir gehören. Zerteilt es! 27 Da befahl der König: Gebt jener das lebende Kind und tötet es nicht; denn sie ist seine Mutter. 28 Ganz Israel hörte von dem Urteil, das der König gefällt hatte, und sie schauten mit Ehrfurcht zu ihm auf; denn sie erkannten, dass die Weisheit Gottes in ihm war, wenn er Recht sprach.

Seitwert


© Foto: Thomas Gertler

Darüber-hinaus-Denken

Kennen Sie Paul Watzlawick? Sehr viele werden sein Buch „Anleitung zum Unglücklichsein“ kennen. Manche werden diese Anleitung auch getreu befolgen… Ich habe jetzt einen Vortrag von ihm gehört, den ich sehr anregend fand. Er hieß „Wenn die Lösung das Problem ist“. Ja, das passiert, dass die Lösung eines Problems problematischer ist als das Problem, das gelöst werden sollte. (Wenn Sie Lust und Zeit haben, hier finden sie ihn.) Watzlawick erzählt an Beispielen, dass häufig die radikalen Lösungen solche sind. Denken Sie nur an Terrorismus und viele Kriege auf dieser Welt.

Aber er gibt auch viele Tipps aus der Wissenschaft, die speziell die Lösung von Problemen untersucht. Halt! Versuchen das nicht mehr oder weniger alle Wissenschaften: Probleme lösen? Ja, sicher, vielleicht mit Ausnahme der Theologie die sich mehr mit der Er-Lösung befasst. Aber es gibt spezielle Wissenschaften, die erforschen, wie der Mensch seine Probleme löst. Das sind Richtungen der Psychologie und Teile der Kognitionsforschung oder Erkenntnisforschung.

Ein Beispiel möchte ich hier vorführen. Vielleicht kennen das auch schon einige von Ihnen. Das hat zu tun mit den oben von mir gemalten (sechsmal) neun Punkten. Das Problem oder die Aufgabe besteht darin, dass diese neun Punkte so durch vier (oder weniger als vier) Linien zu verbinden sind, dass ich meinen Stift nicht absetze. Dass also die Linien auch miteinander zusammenhängen.

Das dürfen Sie nun versuchen.

Erstmal denke ich: das kann doch gar nicht so schwer sein. Und dann wenn ich es versuche, merke ich: o, das geht doch gar nicht. Nein, das ist unmöglich: vier Linien und alle Punkte einfangen? Immer bleibt ein Punkt übrig. So oft ich es auch versuche. Stimmt’s? Und so geht es mir ja oft. Immer bleibt was übrig und ungelöst, steht da einsam rum. Dumm!

Dann kommt der entscheidende Tipp, vielleicht sogar jemandem die entscheidende Idee: Lass dich nicht durch die Anordnung der neun Punkte eingrenzen. Wer sagt denn, dass du innerhalb dieses Quadrates bleiben sollst! Denke mal darüber hinaus. Und versuche deine vier Linien dann noch einmal.

Ja, und da geht es nach einigem Rumprobieren. Und aus dem geschlossenen Quadrat ist ein Dreieck oder ein Pfeil oder ein Flugdrachen geworden. Und alle neun Punkte sind durch vier Linien, ohne den Stift abzusetzen, verbunden! Toll!

© Foto: Thomas Gertler

Und das ist der Tipp, den ich Ihnen weitergeben möchte: Wenn Sie in einem Problem festsitzen, dann versuchen Sie mal darüber hinaus zu denken. Das Problemquadrat zu verlassen. Darüber hinaus zu denken!

Und das ist natürlich, wie Sie sich denken können als Tipp von einem Theologen auch spirituell gemeint. Mal über das geschlossene Weltquadrat hinaus denken! Es gibt noch mehr Lösungen, als wir uns erstmal träumen lassen. Schade, dass wir uns so selten auf die Weltsicht Gottes einstellen. Und mal mit seinen Augen sehen. Er ist sicher ganz verzweifelt darüber, dass wir diese Hilfe so selten in Anspruch nehmen.

Also tun Sie es. Es hilft.

Viele Grüße
Thomas Gertler SJ

18. Oktober 2017

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